OCT 18,2023
OCT 18,2023
Grannies On the Road Again
An den Ufern des Gelben Flusses erklingt ein sanfter Rhythmus – das Summen von Nähmaschinen, das Flüstern von Leder, das leise Lachen von Frauen bei der Arbeit.
Sie sind das Grannies-Team von Songmont – Frauen, die nach Jahrzehnten der Stille ihre Leidenschaft wiedergefunden haben.
Die meisten von ihnen sind in den Fünfzigern und Sechzigern und verfügen jeweils über mehr als vierzig Jahre handwerkliche Erfahrung. Einst Schneider und Näherinnen in ihren Dörfern, widmen sie sich heute mit ruhigen Händen der Herstellung und Reparatur von Songmonts Taschen – und verbinden dabei Tradition mit Design, Geduld mit Zweck.
Unter ihnen ist Fu Yulan, Songmonts allererste Angestellte – eine pensionierte Maschinenbauingenieurin und Mutter des Gründers Fu Song. „Ich bin damit aufgewachsen, meiner eigenen Mutter beim Nähen von Tigerkopfhüten an der Öllampe zuzusehen“, sagt sie. „Wenn ich jetzt nähe, kommt es mir so vor, als würde ich wieder mit ihr reden.“
Jahre später, als ihre Tochter mit der Herstellung von Taschen begann, wurde das Handwerk zu ihrer gemeinsamen Sprache – und überbrückte die Distanz zwischen den Generationen. Was als kleine Zusammenarbeit begann, entwickelte sich zu einer Wiederbelebung des Erbes. Yulan kehrte in ihre Heimatstadt zurück und versammelte eine Gruppe von Frauen, die wie sie einst das stille Verschwinden des Handwerks erlebt hatten. Gemeinsam bildeten sie das Grannies Team.
Oma Ping, eines der ersten Mitglieder, erinnert sich: „Als die Fabriken kamen, hörten wir mit dem Nähen auf. Aber als Songs Mutter mich wieder einlud, Taschen herzustellen, fühlte ich mich lebendig. Jede Tasche, die wir reparieren, trägt die Geschichte eines Menschen in sich. Wenn der Kunde sie erneut in die Hand hält, ist es, als hätten wir diese Geschichte wieder zum Leben erweckt.“
In ihrer Werkstatt vergeht die Zeit anders. Die Luft riecht leicht nach Leder und Tee. Geschichten werden erzählt, während sich die Hände bewegen – ruhig, ohne Eile, sicher.
Für Songmont repräsentieren diese Omas mehr als nur Können; Sie sind der lebende Beweis dafür, dass Handwerkskunst sowohl Vermächtnis als auch Befreiung sein kann.
Ihre Arbeit erinnert uns daran, dass Handarbeit auch ein Leben schafft – ein Leben voller Würde, Erneuerung und Verbundenheit.
Und so nähen sie weiter, lachen weiter, lernen weiter – wieder unterwegs.
